Die Stadt liegt nicht am Meer – Guantánamo-Miniaturen Nr. 3

Es ist leicht, sich zurechtzufinden, die Stadt ist schachbrettartig angelegt, sowohl die teils gut erhaltene Innenstadt als auch die neueren Wohngebiete.

Die Frau und der Mann passieren die Sprachschule: Hier kann man Deutsch lernen, sagt der Mann, und Englisch und Russisch. Wir sprechen mit den Studenten. Viele lernen hier abends nach der Arbeit, so sie eine haben, und hoffen auf eine Chance im Ausland. Die Frau fragt und die Frau erzählt. Vom Leben in Europa. Darüber wissen die Studenten wenig.

Um Brot zu kaufen:

Brot kaufen bedeutet: anstellen. Oft in zwei Warteschlangen: eine Reihe Frauen, eine Reihe Männer. Eine zweite Bäckerei ist zur Zeit wegen Reparatur geschlossen, noch längeres Warten. Das Brot ist aus, als sie an die Reihe kommen. Vielleicht zwei, drei Stunden später, sagt der Mann. Ich fahre dann mit dem Rad her.

Die Frau bewundert die Geduld der Kubaner. Sie ist nicht gewöhnt, so etwas einfach hinzunehmen.

Ich lerne, sagt sie. Ich lerne zu warten.

Inzwischen betrachten sie die Literatur, die auf den Bücherständen angeboten wird.

Nach der Buchmesse, die jeden Februar in Havanna stattfindet, touren die Bücher durch die Provinzen. Hier in Guantánamo finden sie alles über Che und Fidel, meist gebrauchte Bände, aber auch einige Bilderbücher für Kinder und eine Ausgabe von Frost von Thomas Bernhard.

Der Weg führt zurück zum Parque José Martí.

Neben dem Postgebäude die Casa de la Cultura. Hier habe ich den Walzer tanzen gelernt, zeigt der Mann auf das obere Stockwerk. Der kubanische Mann und die österreichische Frau werden abends zum Donauwalzer tanzen. Zu Hause.

Das sieht aus wie ein Wiener Kaffeehaus, meint die Frau, als sie hinter der Kathedrale vorbeigehen.

Doch hier gibt es Schokolade, antwortet der Mann, Trinkschokolade aus Baracoa. Ein kleiner Shop bietet Schokovariationen an.

Direkt daneben dröhnen Kinderlieder aus Lautsprechern. Es findet ein Fest vor der Tagesstätte für die Kleinen statt. Mit Spielen und Wettbewerben. Ein Gewusel herausgeputzter Kinder mit ihren Müttern.

Auf der anderen Seite des Parks, vor der Casa de la Trova allerdings die größeren Lautsprecher, dröhnender Reggaeton trifft in der Mitte des Parks auf die Kinderlieder.

Die kleine Kirche, die Kathedrale dazwischen, das Läuten ihrer Glocke hört man gut, wenn der Strom ausfällt.

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